Zusatzrundgang

Die Bibel

Kein Buch hat die Schreibstuben und Druckerpressen so beschäftigt wie die Bibel. Im Zusatzrundgang gehst du ihren Weg ab: wie ihre Bücher entstehen, wer sie abschreibt und übersetzt und wo du sie heute online lesen kannst.

Die Bibel ist kein Buch, sondern eine Bibliothek. Das griechische Wort biblia heißt einfach „Bücher“. Darin stehen Erzählungen, Gesetze, Lieder, Sprüche, Briefe und Visionen, geschrieben von vielen Händen über mehr als tausend Jahre. Die meisten Schreiber kennen wir nicht mit Namen.

Für die Geschichte des Buches ist sie ein Motor. Für sie greifen die frühen Christen zum Kodex, für sie arbeiten die Skriptorien, mit ihr beginnt Gutenberg den großen Druck, und um ihre Übersetzung wird gestritten, bis Menschen dafür sterben. Dieser Rundgang folgt ihr durch dieselben Säle wie der Hauptrundgang.

← Zurück zum Hauptrundgang

Säle

  1. Die Hebräische Bibelca. 800 – 150 v. Chr.
  2. Griechisch und das Neue Testament3. Jh. v. Chr. – 4. Jh. n. Chr.
  3. Abgeschrieben und übersetzt4. – 14. Jh.
  4. Die Bibel geht in Druck1454 – 1516
  5. Die Bibel für alle1522 – 1800
  6. Bibeln für Millionen1804 – 1900
  7. Neue Übersetzungen1925 – 1984
  8. Die Bibel am Bildschirmseit den 1990ern
  9. Die Bibel online lesenheute

ca. 800 – 150 v. Chr.

Die Hebräische Bibel

Was Christen das Alte Testament nennen, ist die Bibel des Judentums, der Tanach: Tora, Propheten und Schriften. Lange bevor jemand diese Texte aufschreibt, werden sie erzählt und gesungen. Die Jahreszahlen in diesem Saal sind Schätzungen der Forschung. Viele Bücher sind über Generationen gewachsen, und wann ein Buch „fertig“ ist, lässt sich oft gar nicht sagen.

  1. 8. Jh. v. Chr.

    Die ersten Propheten

    Im Nordreich Israel treten Amos und Hosea auf und klagen Reiche an, die Arme ausbeuten. Ihre Worte gelten als die älteste aufgeschriebene Prophetie der Bibel. Bald darauf spricht in Jerusalem Jesaja.

    Wer schrieb es? Die Überlieferung
    Die Propheten selbst, nach denen die Bücher heißen.
    Die Forschung
    Kerne gehen auf die Propheten zurück; Schüler sammeln ihre Worte und schreiben sie über Generationen fort. Das Buch Jesaja wächst noch Jahrhunderte weiter.
  2. 622 v. Chr.

    Ein Buch im Tempel

    Das zweite Buch der Könige erzählt, wie bei Bauarbeiten am Tempel in Jerusalem ein Gesetzbuch gefunden wird. König Josia lässt es vorlesen und richtet den Kult danach aus. Viele Forschende sehen darin einen frühen Kern des Deuteronomiums, des fünften Buches Mose.

    Wer schrieb es? Die Überlieferung
    Mose, kurz vor seinem Tod.
    Die Forschung
    Schreiber am Hof von Jerusalem im 7. Jahrhundert v. Chr., später erweitert.
  3. um 600 v. Chr.

    Die Silberröllchen

    In einer Grabkammer bei Jerusalem werden 1979 zwei winzige, eingerollte Silberbleche gefunden. Aufgerollt zeigen sie einen Segen, den man aus dem vierten Buch Mose kennt: „Der Herr segne dich und behüte dich.“ Es ist der älteste bekannte Wortlaut eines Bibeltextes, Jahrhunderte älter als jede Handschrift.

  4. 587 – 539 v. Chr.

    Das Exil in Babylon

    Die Babylonier zerstören Jerusalem und den Tempel und verschleppen die Oberschicht. Gerade in der Fremde wird gesammelt und geschrieben: Ezechiel spricht im Exil, ein namenloser Prophet fügt dem Jesajabuch die großen Trostworte hinzu, und die Geschichte von Josua bis zu den Königen bekommt ihre Form.

  5. 5./4. Jh. v. Chr.

    Die Tora

    Nach der Rückkehr aus dem Exil werden die fünf Bücher Mose zu dem Werk, das sie bis heute sind: Schöpfung, Väter und Mütter, Auszug aus Ägypten, Gesetz am Sinai. Für das Judentum ist die Tora der Kern der ganzen Schrift. Im Gottesdienst wird sie bis heute von einer handgeschriebenen Rolle gelesen.

    Wer schrieb es? Die Überlieferung
    Mose. Nur über die Verse zu seinem eigenen Tod hat man schon in der Antike gerätselt.
    Die Forschung
    Mehrere Erzählstränge und Gesetzessammlungen aus verschiedenen Jahrhunderten, von priesterlichen Schreibern zusammengefügt. Wie genau, ist bis heute umstritten.
  6. bis 3. Jh. v. Chr.

    Lieder und Weisheit

    Die Psalmen sind Gebete und Lieder für Tempel und Alltag, gesammelt über Jahrhunderte. Daneben stehen Bücher der Weisheit: die Sprüche, das Buch Hiob mit seiner Frage nach dem Leid und der nüchterne Kohelet, für den alles „Windhauch“ ist.

    Wer schrieb es? Die Überlieferung
    König David für viele Psalmen, König Salomo für Sprüche und Kohelet.
    Die Forschung
    Viele Dichter und Schreiberschulen über einen langen Zeitraum. Die Namen der Könige verleihen den Texten Gewicht.
  7. um 164 v. Chr.

    Das Buch Daniel

    Der Seleukidenkönig Antiochos IV. verbietet die jüdische Religion und entweiht den Tempel. In dieser Not entsteht das Buch Daniel mit seinen Visionen von Weltreichen, die kommen und vergehen. Es gilt als das jüngste Buch der Hebräischen Bibel.

    Wer schrieb es? Die Überlieferung
    Daniel, ein jüdischer Weiser am babylonischen Hof im 6. Jahrhundert v. Chr.
    Die Forschung
    Ein Verfasser im 2. Jahrhundert v. Chr., der ältere Daniel-Erzählungen aufnimmt.

3. Jh. v. Chr. – 4. Jh. n. Chr.

Griechisch und das Neue Testament

In der hellenistischen Welt spricht man Griechisch, auch viele Juden in Alexandria. Dort beginnt die erste große Übersetzung der Bibel. Ein paar Jahrhunderte später entstehen in derselben Sprache die Schriften des Neuen Testaments: Briefe, die zuerst da sind, und Evangelien, die erst Jahrzehnte nach Jesu Tod niedergeschrieben werden.

  1. ab 3. Jh. v. Chr.

    Die Septuaginta

    In Alexandria wird zuerst die Tora ins Griechische übersetzt, die übrigen Bücher folgen im Lauf von rund zwei Jahrhunderten. Diese Übersetzung wird die Bibel der frühen Christen. Sie enthält auch Bücher, die in der Hebräischen Bibel fehlen; die katholische Kirche zählt sie bis heute zur Bibel, Luther stellt sie als „Apokryphen“ an den Rand.

  2. 3. Jh. v. Chr. – 1. Jh. n. Chr.

    Die Rollen vom Toten Meer

    Ab 1947 finden Beduinen und später Archäologen in Höhlen bei Qumran Tausende Fragmente von Schriftrollen. Darunter sind Abschriften fast aller Bücher der Hebräischen Bibel, rund tausend Jahre älter als die bis dahin ältesten Handschriften. Die große Jesajarolle ist über sieben Meter lang und fast vollständig.

    Das Erstaunliche: Vieles stimmt mit den mittelalterlichen Handschriften weitgehend überein, anderes zeigt, dass damals mehrere Fassungen nebeneinander im Umlauf waren.

  3. um 50 – 60 n. Chr.

    Die Briefe des Paulus

    Die ältesten Schriften des Neuen Testaments sind keine Evangelien, sondern Briefe. Paulus schreibt an die Gemeinden in Thessaloniki, Korinth, Galatien, Philippi und Rom, oft mit konkreten Sorgen: Streit beim Abendmahl, Fragen zur Ehe, Geld für Jerusalem. Der erste Brief an die Thessalonicher gilt als ältester, um 50 n. Chr.

    Wer schrieb es? Die Überlieferung
    Paulus für alle dreizehn Briefe, die seinen Namen tragen.
    Die Forschung
    Sieben gelten als sicher von Paulus. Die übrigen schreiben wohl Schüler später in seinem Namen, damals ein verbreiteter Brauch.
  4. um 70 n. Chr.

    Das erste Evangelium

    Um die Zeit, in der die Römer den Tempel in Jerusalem zerstören, schreibt jemand die Geschichte von Jesus als zusammenhängende Erzählung auf. Das Markusevangelium ist das kürzeste und wohl älteste Evangelium. Es beginnt ohne Geburtsgeschichte und endet ursprünglich abrupt am leeren Grab.

    Wer schrieb es? Die Überlieferung
    Johannes Markus, ein Begleiter des Petrus. So berichtet es Papias von Hierapolis im 2. Jahrhundert.
    Die Forschung
    Ein unbekannter Verfasser. Der Name steht nicht im Text, die Überschrift kommt später hinzu.
  5. um 80 – 90 n. Chr.

    Matthäus und Lukas

    Zwei weitere Evangelien übernehmen große Teile des Markus und ergänzen sie, etwa um die Bergpredigt und die Weihnachtsgeschichten. Lukas schreibt eine Fortsetzung dazu, die Apostelgeschichte, und widmet beide Bücher einem gewissen Theophilus.

    Wer schrieb es? Die Überlieferung
    Der Apostel Matthäus, früher Zöllner, und der Arzt Lukas, ein Reisebegleiter des Paulus.
    Die Forschung
    Unbekannte Verfasser. Neben Markus benutzen beide wohl eine verlorene Sammlung von Worten Jesu, die man die Logienquelle Q nennt. Q ist erschlossen, keine Handschrift davon ist erhalten.
  6. um 90 – 100 n. Chr.

    Johannes und die Offenbarung

    Das Johannesevangelium erzählt anders als die drei übrigen, mit langen Reden und dem berühmten Anfang „Im Anfang war das Wort“. Die Offenbarung, das letzte Buch der Bibel, schreibt ein Johannes auf der Insel Patmos: Visionen vom Ende der Welt in einer Zeit, in der Christen verfolgt werden.

    Wer schrieb es? Die Überlieferung
    Der Apostel Johannes für Evangelium, Briefe und Offenbarung.
    Die Forschung
    Das Evangelium stammt wohl aus einem Kreis von Schülern. Den Seher der Offenbarung halten die meisten für eine andere Person; schon in der Antike hat man das bezweifelt.
  7. 367 n. Chr.

    Siebenundzwanzig Bücher

    Welche Schriften gehören dazu? Lange gehen die Meinungen auseinander, manche Gemeinden lesen den Hebräerbrief nicht, andere den Hirten des Hermas. Bischof Athanasius von Alexandria zählt 367 in einem Osterbrief genau die 27 Bücher auf, die heute das Neue Testament bilden. Es ist die älteste erhaltene Liste dieser Art.

  8. 4. Jh.

    Der Codex Sinaiticus

    Die frühen Christen schreiben ihre Texte auffallend früh in Kodizes statt auf Rollen. Im 4. Jahrhundert entstehen die ersten großen Bibel-Kodizes auf Pergament. Der Codex Sinaiticus enthält das älteste vollständig erhaltene Neue Testament. Seine Blätter liegen heute in London, Leipzig, Sankt Petersburg und im Katharinenkloster auf dem Sinai.

4. – 14. Jh.

Abgeschrieben und übersetzt

Tausend Jahre lang wird die Bibel in Europa von Hand weitergegeben, und zwar meist auf Latein. Sie ist das Buch, das am häufigsten abgeschrieben wird, und das prächtigste. Zugleich wird übersetzt: für die Goten, für die Kirchen des Ostens, für Iren und Angelsachsen. Und jüdische Gelehrte sichern den hebräischen Text so genau, wie es keiner vor ihnen versucht hat.

  1. 4. Jh.

    Die Bibel der Goten

    Bischof Wulfila übersetzt die Bibel in die Sprache der Goten und erfindet dafür eigens ein Alphabet aus griechischen, lateinischen und runischen Zeichen. Es ist die erste Bibelübersetzung in eine germanische Sprache. Die berühmteste Abschrift, der Codex Argenteus, ist um 520 in Silber- und Goldtinte auf purpurgefärbtes Pergament geschrieben und liegt heute in Uppsala.

  2. 382 – um 405

    Hieronymus und die Vulgata

    Papst Damasus beauftragt den Gelehrten Hieronymus, die vielen abweichenden lateinischen Bibeltexte zu vereinheitlichen. Hieronymus geht weiter: In Bethlehem lernt er Hebräisch und übersetzt das Alte Testament neu aus der Ursprache. Seine Fassung setzt sich langsam durch und heißt später Vulgata, die „allgemein verbreitete“. Sie bleibt über tausend Jahre die Bibel des Westens.

  3. vor 716

    Der Codex Amiatinus

    Im Kloster Wearmouth-Jarrow im Norden Englands entstehen drei vollständige Bibeln in einem Band. Eine davon soll Abt Ceolfrith als Geschenk für den Papst nach Rom bringen, er stirbt unterwegs. Das Buch überlebt: Der Codex Amiatinus ist die älteste erhaltene vollständige lateinische Bibel. Er wiegt über dreißig Kilo und braucht die Häute von wohl mehr als fünfhundert Kälbern.

  4. 7. – 11. Jh.

    Die Masoreten

    Hebräisch wird ohne Vokale geschrieben. Damit die Aussprache der heiligen Texte nicht verloren geht, fügen jüdische Gelehrte in Tiberias Punkte und Striche für Vokale und Betonung hinzu. Am Rand zählen sie Buchstaben und Wörter und notieren Besonderheiten. Der Codex Leningradensis von 1008 ist die älteste vollständige Handschrift der Hebräischen Bibel und bis heute Grundlage der wissenschaftlichen Ausgaben.

  5. um 1200

    Kapitel für die Bibel

    Wer im Mittelalter eine Stelle zitiert, hat es schwer: Es gibt verschiedene Einteilungen, und keine passt zur anderen. In Paris setzt sich die Einteilung in Kapitel durch, die der spätere Erzbischof von Canterbury Stephen Langton verwendet. Sie gilt bis heute.

  6. 1380er

    Die Bibel auf Englisch

    Im Umfeld des Oxforder Theologen John Wyclif entsteht eine vollständige englische Bibel, aus der Vulgata übersetzt. Die Kirche sieht darin Gefahr: 1409 verbietet eine Synode in Oxford, ohne Erlaubnis Bibeltexte ins Englische zu übersetzen oder neue Übersetzungen zu lesen. Trotzdem sind über 250 Handschriften erhalten.

1454 – 1516

Die Bibel geht in Druck

Die Bibel ist nicht das erste, aber das erste große Buch aus Gutenbergs Werkstatt. Wer eine Druckerei betreibt, braucht Titel, die sicher Käufer finden, und keiner ist sicherer als dieser. In den ersten Jahrzehnten des Drucks erscheinen Dutzende Ausgaben der lateinischen Bibel, bald auch in den Sprachen des Volkes.

  1. 1454/55

    Die Gutenberg-Bibel

    Zweiundvierzig Zeilen in zwei Spalten, gedruckt auf Papier und auf Pergament, der Text der Vulgata. Die Initialen und Rubriken werden von Hand eingemalt, und darum sieht jedes Exemplar anders aus. Im Hauptrundgang erfährst du, wie die Werkstatt arbeitete und was mit Gutenberg geschah.

  2. 1466

    Die erste deutsche Bibel

    In Straßburg druckt Johannes Mentelin eine Bibel auf Deutsch, die erste gedruckte Bibel in einer Volkssprache überhaupt. Die Übersetzung dahinter ist älter und stammt aus dem 14. Jahrhundert. Bis 1522 folgen noch dreizehn weitere hochdeutsche und vier niederdeutsche Ausgaben, lange vor Luther.

  3. 1516

    Erasmus und das griechische Neue Testament

    Bei Johann Froben in Basel erscheint das erste veröffentlichte gedruckte Neue Testament auf Griechisch, herausgegeben von Erasmus von Rotterdam, mit einer neuen lateinischen Übersetzung daneben. Erasmus arbeitet in Eile und mit wenigen, späten Handschriften, und für die letzten Verse der Offenbarung übersetzt er aus dem Lateinischen zurück. Trotzdem wird seine Ausgabe die Vorlage für Luther und viele andere.

1522 – 1800

Die Bibel für alle

Jetzt geht es nicht mehr um die schönste Bibel, sondern um die verständlichste. Die Reformatoren wollen, dass jeder Mensch selbst lesen kann, was darin steht, und die Drucker liefern dazu die Stückzahlen. Übersetzer werden berühmt, angefeindet und manchmal getötet. Und am Ende des Saals steht eine Druckerei, die nur für Bibeln da ist.

  1. 1522

    Das Septembertestament

    Versteckt auf der Wartburg übersetzt Martin Luther das Neue Testament in rund elf Wochen aus dem Griechischen, nach der Ausgabe des Erasmus. Melchior Lotter druckt es in Wittenberg, mit Holzschnitten aus der Werkstatt Lucas Cranachs. Die erste Auflage von wohl rund dreitausend Exemplaren ist schnell vergriffen, im Dezember folgt die zweite.

  2. 1526

    Tyndale

    William Tyndale übersetzt das Neue Testament aus dem Griechischen ins Englische. In England darf er nicht drucken, also lässt er es in Worms herstellen, bei Peter Schöffer dem Jüngeren, dem Sohn von Gutenbergs ehemaligem Mitarbeiter. Die Bände werden nach England geschmuggelt und dort öffentlich verbrannt. 1536 wird Tyndale bei Brüssel hingerichtet. Ein großer Teil seiner Sätze lebt in der King-James-Bibel weiter.

    Wer schrieb es? Die Überlieferung
    Nach dem Märtyrerbuch von John Foxe soll Tyndale einem Gelehrten gesagt haben, er werde dafür sorgen, dass ein Junge hinter dem Pflug mehr von der Schrift weiß als jener.
    Die Forschung
    Der Satz ist nur bei Foxe überliefert, Jahrzehnte später. Er passt aber gut zu dem, was Tyndale selbst in seinen Vorreden schreibt.
  3. 1531

    Die Zürcher Bibel

    Drei Jahre vor Luthers vollständiger Bibel bringt der Drucker Christoph Froschauer in Zürich eine ganze Bibel auf Deutsch heraus, übersetzt vom Kreis um Huldrych Zwingli und Leo Jud. Sie übernimmt Teile von Luther und übersetzt den Rest selbst. Die Zürcher Bibel wird bis heute weitergeführt.

  4. 1534

    Die Lutherbibel

    Mit einem Team aus Wittenberger Gelehrten, darunter Philipp Melanchthon, vollendet Luther die ganze Bibel. Hans Lufft druckt sie in Wittenberg, und bis zu Luthers Tod 1546 wird sie immer wieder überarbeitet und nachgedruckt. Sie prägt die deutsche Sprache stark, auch wenn Luther das Hochdeutsche nicht erfunden hat, wie man manchmal hört.

  5. 1611

    Die King-James-Bibel

    König Jakob I. lässt eine neue englische Bibel erstellen, an der rund fünfzig Gelehrte in sechs Gruppen arbeiten. Gedruckt wird sie vom königlichen Drucker Robert Barker. Die „Authorized Version“ wird für Jahrhunderte die englische Bibel schlechthin.

  6. 1710

    Bibeln aus stehendem Satz

    In Halle gründet Carl Hildebrand von Canstein bei den Franckeschen Stiftungen eine Bibelanstalt mit einer kühnen Idee: Der Satz der ganzen Bibel wird nach dem Druck nicht wieder abgelegt, sondern bleibt stehen. Das bindet Unmengen Blei, aber jede neue Auflage spart den teuren Satz. So wird die Bibel so billig, dass sich auch arme Familien eine leisten können. Bis zum Ende des Jahrhunderts verlassen mehrere Millionen Bibeln und Neue Testamente die Anstalt.

1804 – 1900

Bibeln für Millionen

Dampfpresse, billiges Papier und Missionsgeist kommen zusammen. Überall entstehen Bibelgesellschaften, die keine Gewinne machen wollen, sondern Bibeln verteilen, oft unter dem Herstellungspreis. Sie gehören zu den größten Auftraggebern der Druckindustrie ihrer Zeit und lassen die Bibel in Hunderte neue Sprachen übersetzen.

  1. 1804

    Die Bibelgesellschaften

    In London wird die British and Foreign Bible Society gegründet, mit dem Ziel, Bibeln ohne Anmerkungen zu einem erschwinglichen Preis zu verbreiten, im eigenen Land und in aller Welt. Bald folgen Gesellschaften auf dem Kontinent, 1812 auch in Stuttgart die Württembergische Bibelanstalt, aus der die heutige Deutsche Bibelgesellschaft hervorgeht.

  2. 1892

    Die erste revidierte Lutherbibel

    Mehr als dreihundert Jahre nach Luther ist seine Sprache an vielen Stellen schwer zu verstehen, und jede Druckerei hat eigene Fehler und Varianten eingeschleppt. Die evangelischen Kirchen beschließen eine gemeinsame, durchgesehene Fassung, die nach langer Arbeit 1892 erscheint. Seitdem wird die Lutherbibel immer wieder sorgfältig überarbeitet.

1925 – 1984

Neue Übersetzungen

Im 20. Jahrhundert wird so viel übersetzt wie nie zuvor. Manche Übersetzer wollen möglichst nahe am Urtext bleiben, mit all seinen Fremdheiten, andere wollen klingen wie die Zeitung von heute. Und zum ersten Mal arbeiten katholische und evangelische Fachleute gemeinsam an einem Text.

  1. 1925 – 1961

    Die Verdeutschung der Schrift

    Die jüdischen Philosophen Martin Buber und Franz Rosenzweig beginnen eine Übersetzung der Hebräischen Bibel, die den Klang und den Satzbau des Hebräischen ins Deutsche holen soll, mit ungewohnten Wörtern und Zeilen zum lauten Lesen. Rosenzweig stirbt 1929, Buber flieht 1938 nach Jerusalem. Erst 1961 hat er das Werk vollendet, für ein deutsches Judentum, das es nach der Schoa so nicht mehr gibt.

  2. 1950 – 1961

    Die Neue-Welt-Übersetzung

    Die Zeugen Jehovas geben ab 1950 eine eigene Übersetzung auf Englisch heraus, 1961 liegt sie vollständig in einem Band vor. Auf Deutsch erscheint sie 1971 vollständig, die heutige überarbeitete Fassung 2018. Das Übersetzungskomitee bleibt bewusst anonym: Die Ehre soll Gott gehören, nicht den Übersetzern.

    Kaum eine Bibel ist in so vielen Sprachen zu haben. Nach Angaben der Zeugen Jehovas ist sie ganz oder in Teilen in über 350 Sprachen erschienen, vollständig auch in mehreren Gebärdensprachen, und es wurden mehr als 560 Millionen Exemplare hergestellt. Gedruckt wird zum großen Teil in eigenen Druckereien, in Deutschland in Selters im Taunus. Abgegeben wird sie kostenlos.

    Ihr Kennzeichen ist der Gottesname Jehova, der im Alten Testament an vielen Tausend Stellen steht, wo das Hebräische ihn schreibt, und den sie auch ins Neue Testament einsetzt. Gerade dort, wo die griechischen Handschriften „Herr“ schreiben, und bei Stellen wie Johannes 1,1 widersprechen andere Kirchen und viele Fachleute. Die Zeugen Jehovas begründen ihre Wiedergabe ausführlich in den Anhängen der Studienausgabe.

  3. 1980

    Die Einheitsübersetzung

    Für die katholische Kirche im deutschen Sprachraum entsteht eine gemeinsame Bibel in heutiger Sprache, die „Einheitsübersetzung“. Die Psalmen und das Neue Testament übersetzen katholische und evangelische Fachleute zusammen. Die überarbeitete Fassung von 2016 entsteht dann allein unter katholischer Verantwortung.

  4. 1984

    Luther für das 20. Jahrhundert

    Eine Revision des Neuen Testaments von 1975 hatte Luthers Sprache stark modernisiert und viel Protest geerntet. 1984 folgt eine Fassung der ganzen Lutherbibel, die vieles davon zurücknimmt. Bibelleserinnen und Bibelleser hängen an ihrem Wortlaut, nicht anders als die Gemeinde des Augustinus an ihrem Kürbis.

seit den 1990ern

Die Bibel am Bildschirm

Die Bibel zieht früh auf Disketten, CD-ROMs und Webseiten um, und heute liest du sie so selbstverständlich am Smartphone wie im Buch. Kapitel und Verse, einst eingeführt, damit Gelehrte sich verständigen, sind jetzt Adressen: Ein Link führt direkt zu Johannes 3,16, in Dutzenden Übersetzungen nebeneinander.

  1. 2016/17

    Lutherbibel 2017 und Einheitsübersetzung 2016

    Zum 500. Jahr der Reformation erscheint eine neu durchgesehene Lutherbibel, die an vielen Stellen sogar wieder näher zu Luthers eigenem Wortlaut zurückkehrt. Ein Jahr zuvor ist die überarbeitete Einheitsübersetzung erschienen. Beide liest du kostenlos online.

  2. 2021

    Die BasisBibel

    Die Deutsche Bibelgesellschaft vollendet eine Übersetzung, die von Anfang an für das Lesen am Bildschirm gedacht ist: kurze Sätze, klare Wörter, Erklärungen zu Begriffen gleich am Rand und als Link. Erstmals bestimmt das Gerät mit, wie eine Bibel übersetzt wird.

  3. heute

    In über 700 Sprachen

    Die vollständige Bibel gibt es nach Zählung der Übersetzungsorganisationen in mehr als 700 Sprachen, das Neue Testament in weit über tausend weiteren. Für viele dieser Sprachen ist die Bibel das erste Buch überhaupt, und manchmal entsteht mit ihr erst die Schrift. Damit wiederholt sich, was Wulfila vor sechzehnhundert Jahren für die Goten getan hat.

heute

Die Bibel online lesen

Am Ende des Rundgangs kannst du selbst aufschlagen. Diese Angebote sind kostenlos, die meisten ohne Anmeldung. Probier einmal, denselben Vers in drei Übersetzungen nebeneinander zu lesen: Dann siehst du, wie viel Entscheidung in jeder Übersetzung steckt.

  • ERF Bibleserver ↗ERF Medien

    Mehr als zehn deutsche Übersetzungen, darunter Luther 2017 und die Einheitsübersetzung, dazu viele andere Sprachen. Übersetzungen lassen sich Vers für Vers nebeneinanderlegen.

  • die-bibel.de ↗Deutsche Bibelgesellschaft

    Lutherbibel 2017, BasisBibel und Gute Nachricht Bibel mit Erklärungen, Leseplänen und Hilfen zum Bibellesen.

  • Einheitsübersetzung 2016 ↗Katholisches Bibelwerk, auf dem Bibleserver

    Die katholische Bibel des deutschen Sprachraums, hier aufgeschlagen beim Prolog des Johannesevangeliums.

  • Sefaria ↗Sefaria, gemeinnützige Bibliothek

    Der Tanach auf Hebräisch mit englischer Übersetzung, verknüpft mit Talmud, Kommentaren und jüdischer Auslegung durch die Jahrhunderte.

  • STEP Bible ↗Tyndale House, Cambridge

    Für alle, die tiefer graben wollen: Urtexte auf Hebräisch und Griechisch mit Wort-für-Wort-Erklärungen, auch mit deutschen Übersetzungen.

  • Neue-Welt-Übersetzung ↗Jehovas Zeugen, auf jw.org

    Die Bibel der Zeugen Jehovas in über 350 Sprachen und mehreren Gebärdensprachen, zum Lesen, Anhören und Herunterladen, auch als App JW Library.

  • Bible Gateway ↗HarperCollins Christian Publishing

    Über 150 Übersetzungen in rund 50 Sprachen, vor allem englische, darunter die King-James-Bibel von 1611.

  • Bibel-App ↗YouVersion

    Eine verbreitete Bibel-App fürs Smartphone, auch im Browser, mit Übersetzungen in sehr vielen Sprachen und Leseplänen.

Alte Bibeln zum Durchblättern

Alle Links führen zu fremden Angeboten, die sich in neuen Tabs öffnen. Dort gelten deren eigene Datenschutzbestimmungen.

← Zurück zum Hauptrundgang